
Foto: Norbert Siegl

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Foto: Grgic
In „Nacht und Nebel“-Aktionen, in stiller Heimlichkeit wird der öffentliche Raum verunstaltet. Was im ersten Moment wie harmloses Geschmiere gelangweilter Jugendlicher wirkt, ist oftmals mehr: Sogenannte Schriftgraffiti transportieren rechtsextreme Inhalte, die sich an häufig frequentierten Plätzen einer breiten Öffentlichen präsentieren. Die Auseinandersetzung mit den rechtsextremen Botschaften hingegen blieb für lange Zeit im Hintergrund: Obwohl in Wien bereits Ende der 70er-Jahre ein Institut für Graffitiforschung ins Leben gerufen wurde, gewann das Kulturphänomen erst vor wenigen Jahren die ihm zustehende Aufmerksamkeit.
Häupl als Atatürk
Zur Diskussion stellt die Sprüche mit rassistischen, antisemitischen und neofaschistischen Inhalten derzeit die Ausstellung „graffiti.rechts.extrem“ im Wiener Rathaus. Besuchern der Ausstellung bietet sich dort unter anderem ein völlig neues Bild von Bürgermeister Michael Häupl: Mit hastig aufgemaltem Bart verwandelten unbekannte Täter den SPÖ-Politiker auf einem Wahlplakat in Kemal Atatürk – und begehen damit nicht nur Sachbeschädigung, sondern transportieren eine höchst politische Botschaft. Ebenso beliebtes Ziel: FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache – er wird zumeist mit charakteristischem Hitler-Bart versehen. Doch nicht alle Graffitis sind so spektakulär. Wenn man nicht gezielt auf der Suche ist, fallen viele der unscheinbaren Schriftzeichen und Texte gar nicht auf. Und doch zieren sie Parkbänke, Toilettentüren und U-Bahn-Stationen. Sie alle bewusst sichtbar zu machen, ist das Ziel von „graffiti.rechts.extrem“.
Anonymität bleibt gewahrt
Als Urheber der provokanten Schmierereien gelten zumeist Jugendliche. Sie nutzen die öffentlichen Orte als Medium für Botschaften, die in etablierten Kommunikationskanälen kaum Platz finden würden. Das Praktische daran: die Anonymität bleibt gewahrt, außer man wird erwischt. Dann jedoch können im Einzelfall bis zu fünf Jahre Haft drohen.
Aus den Augen, aus dem Sinn?
Die Frage, wie mit Fremdenfeindlichkeit in Graffiti-Form umgegangen werden soll, ist zurzeit Ausganspunkt heftiger Diskussionen. Fakt ist, dass diese Symbole und Texte nicht nur eine Beleidigung von Minderheiten darstellen, sondern auch zur Beängstigung der Stadtbewohner beitragen. Eine Bestimmung der Stadt Wien verlangt die Entfernung der fremdenfeindlichen Graffitis zwei Tage nach Bekanntwerden. Ein zweischneidiges Schwert – denn die Naziparolen dürfen nicht an uns vorbeiziehen, müssen wahrgenommen werden. Um die lange Tradition der Verdrängung in Österreich endlich hinter sich zu lassen.