Home Politik Gesellschaft Kultur Redaktion Archiv Druckansicht
Foto: Courtesy MCH Swiss Exhibition (Basel/Zurich) AG

Die Art Basel ist die wichtigste Kunstmesse in Europa.
Foto: Courtesy MCH Swiss Exhibition (Basel/Zurich) AG



Foto: Courtesy MCH Swiss Exhibition (Basel/Zurich) AG

Foto: Courtesy MCH Swiss Exhibition (Basel/Zurich) AG



Foto: Courtesy MCH Swiss Exhibition (Basel/Zurich) AG

Foto: Courtesy MCH Swiss Exhibition (Basel/Zurich) AG



Foto: Koelnmesse

Die Art Cologne zieht jedes Jahr über 70.000 Besucher an, davon sind etwa 400 ernsthafte Sammler.
Foto: Koelnmesse



Foto: Koelnmesse

Foto: Koelnmesse



Foto: Koelnmesse

Foto: Koelnmesse

Bericht | 03.10.07

Der unmoralische Kunsthandel

von Yvonne Bormes

Am 19. September trafen sich der Kölner Kunsthändler Rudolf Zwirner und die Kunstkritikerin Almuth Spiegler (Die Presse) im Schloss Eggenberg in Graz, um über Entwicklungen auf dem Kunstmarkt, Qualitätsverfall und die Folgen der Globalisierung zu diskutieren.

Als Zwirner 1959 seine eigene Galerie eröffnete, hatten Museumsdirektoren noch das Image von Autorität, Galeristen hingegen jenes des Bittstellers. Die Autorität des Kunsthistorikers ist heute wesentlich geringer, das Museum beugt sich dem stilbildenden Geschmack der Sammler und dem Handel. Haftete dem Begriff „auktionabel“ früher etwas Negatives, Abwertendes an, gilt heute das Gegenteil. Die Idee mit Hilfe von Kunst Millionen zu verdienen, erscheint vielen erstrebenswert und nur wenigen unmoralisch.

 

Quantität statt Qualität?
War es vor dreißig Jahren noch die Ausnahme, dass ein Bild nach dem Kauf direkt einer Auktion übergeben wurde, um dort einen höheren Preis zu erzielen, so ist dies heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr. Nicht mehr der Wert des Kunstwerkes an sich zählt, sondern sein Marktwert steht im Vordergrund. Es entsteht eine Kunstvermarktungsmaschinerie, die so weit geht, dass - nachdem der Sammler seine erworbenen Schätze an Aktionshäuser weitergeleitet hat - diese die Kosten für Ausstellungen übernehmen, bei denen die Werke vor dem Verkauf gezeigt werden. Die Kunst war nicht immer so schnelllebig: Während der Ölkrise der 70er Jahre stagnierte der Kunstmarkt und brachte bei den Künstlern hohe Produktivität und laut Zwirner qualitativ hochwertigere Ergebnisse zu Tage. Schnelle Ausstellungen und Verkäufe waren selten, weshalb man sich auf die Kunst selbst konzentrierte. Es gab genug Zeit für Korrekturen, Distanzierung von den eigenen Werken bis hin zu deren Zerstörung bei Missfallen.

 

Die rasante Entwicklung der Kunstmessen
Zwirner ist einer der Gründungsväter der „Art Cologne“. Im Jahr 2006 bekam er selbst den „Art Cologne“-Preis für sein Engagement im Bereich Kunstmarkt und –handel. Präsentierte 1967 die erste Messe des Kölner Kunstmarkts 18 Galerien, lockte 15.000 Besucher an und machte damals – nie erwartet – einen Umsatz von einer Million D-Mark. So waren es im Jahr 2004 mehr als 70.000 Besucher, die Kunstwerke von rund 250 Galeristen aus 22 Ländern sahen und bei Verkaufspreisen bis zu einer Million Euro glänzende Umsätze ermöglichten.

 

Wichtigste Kunstmesse in Basel
Nach Schätzungen von Zwirner finden sich unter 50.000 Besuchern jedoch nur noch 300 bis 400 ernsthafte Sammler, die sich vor dem Kauf mit der Kunst intellektuell und diskursiv auseinandersetzen. Die wichtigste Kunstmesse findet heute in Basel statt (Art Basel), weitere auf europäischer Ebene wichtige Messen sind Viennafair, FIAC Paris, Frieze Art Fair. Bei der  Grand Tour 2007 luden die 52. Biennale Venedig, Art 38 Basel, documenta 12 und skulptur projekte münster 07 die Besucher der verschiedenen Kunstveranstaltungen gemeinsam ein – in Anlehnung an die historische Grand Tour des 17. bis 19. Jahrhunderts, die eine längere Reise durch die großen Kulturstätten Europas vorsah und sich als festes Ritual des gehobenen Bürgertums etablierte.

 

Globalisierung der Kunst
Auf der „Art Cologne Palma de Mallorca“ 2007 tummeln sich die Agenten großer Sammler. Die  „Flachware“ (alles was an der Wand hängt) muss in das Display des Fotohandys passen, denn an Hand dieses Bildes wird manchmal entschieden, ob das OK zum Kauf erfolgt. Jede Ausstellung von Galeristen ist inzwischen übers Internet weltweit abrufbar. Mit der Globalisierung verstärkt sich auch die Intransparenz. Die Käuferlisten führen neben großen Namen auch immer häufiger unbekannte Sammler an. Zudem ist zu erwarten, dass die Preise weiterhin steigen werden, bis auch der asiatische Raum zur Gänze erschlossen ist. Zwirners provokanter Schlusssatz: „Das Ziel aller Künstler […] ist das Museum, denn das ist der einzige Platz, wo Kunst noch eine Überlebenschance hat. Sonst landet sie auf der Müllkippe.“