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Tausende Randalierer aus ganz Europa gefährden eine sichere EM.
Foto: Cleverson (CC by-nc-sa 2.0 License)

Schwerpunkt: EURO 2008 | 06.06.07

Mit Fanbetreuern gegen Randalierer

von Christoph Schwarz

Nicht nur Fußballfans, auch die Sicherheitskräfte blicken mit Spannung auf die 2008 in Österreich und der Schweiz stattfindende Fußball-EM: Gewalttätigen Unruhestiftern will die Polizei mit speziell geschulten Szenekundigen Beamten die Stirn bieten.

Gleich mehrere tausend so genannter Risikofans aus ganz Europa dürften sich kommenden Sommer auf den Weg zur Fußball-Europameisterschaft machen, erwartet das österreichische Innenministerium. Für die meisten der Unruhestifter soll schon an der Grenze Schluss sein: Mit Hilfe eines europaweiten Datenaustausches über amtsbekannte Randalierer und eines vorübergehenden Einreiseverbotes für Hooligans wollen die Sicherheitskräfte der organisierten Gewalt Einhalt gebieten. Heimische Risikofans will der österreichische Innenminister Günther Platter (VP) während der EURO 2008 mit einer Meldepflicht und Stadionverbot belegen. Und dennoch ist speziell außerhalb der Stadien mit gewaltsamen Auseinandersetzungen zu rechnen – denn nicht nur professionelle Hooligan-Gruppen, auch an sich friedliche, aber schwer betrunkene und emotionalisierte Fußballfans stellen ein enormes Gefahrenpotenzial dar.

 

SKB-Chef: „Präventiv auf Fans einwirken“
Die österreichischen Sicherheitskräfte setzen deshalb verstärkt auf Dialog und Deeskalation: Bei der EURO 2008 kommen rund 150 österreichische Szenekundige Beamte zum Einsatz, verstärkt werden sie von Kollegen aus vielen der anderen Teilnehmerländer. Koordiniert wird die Arbeit dieser speziell geschulten Fanbetreuer in Österreich von Chefinspektor Thomas Winkelmann von der Nationalen Fußballinformationsstelle im Innenministerium: „Die Beamten sollen den Kontakt zu den Fußballfans herstellen und präventiv auf sie einwirken“, umschreibt Winkelmann im Gespräch mit weitergedacht.at die Tätigkeit der Szenekundigen Beamten. „Sie dienen dabei einerseits als Ansprechpartner für so genannte normale Fans, andererseits aber auch als Sprachrohr gegenüber der Einsatzleitung.“ Zum Einsatz kommen die Polizisten jedoch nicht nur in den Stadien: Bei kritischen Spielen begleiten sie die Fans auch auf dem Weg zum Austragungsort und sorgen vor dem Stadion und in den so genannten „public viewing“-Bereichen für Ruhe. Pro Spiel werden dafür üblicherweise zwischen zwei und 30 Fanbetreuer abgestellt.

 

„Jahrelange Erfahrungen der Fanpolizei“
Bisher habe das Konzept der Fanbetreuer großen Erfolg gezeigt, sagt Winkelmann: „Wir sind zwar keine Sozialarbeiter, sondern ganz normale Exekutivbeamte, aber dennoch hören die Fans immer wieder auf uns.“ Bei der EM will man sich daher auch Verstärkung aus anderen Ländern holen. Immerhin verfügen mittlerweile alle EU-Länder über ähnlich geschulte Exekutivbeamte. „Die Fanbetreuer aus anderen Teilnehmerstaaten kennen ihre eigenen Risikofans besser und können sich mit ihnen in ihrer Muttersprache unterhalten“, sagt Winkelmann zu weitergedacht.at. Das mache den Einsatz von ausländischen Polizisten während der EM unerlässlich.

 

Unterschätzte Ostblock-Hooligans
Unglücklicherweise lauere die eigentliche Gefahr jedoch weniger im kontrollierbaren Umfeld der Stadien oder den „Fanmeilen“ der Austragungsorte, verrät Winkelmann: „Es gibt einen Trend zu immer mehr Drittortauseinandersetzungen. Professionell organisierte Hooligangruppen treffen sich da zu Wald- und Wiesenaktionen abseits der breiten Öffentlichkeit und tragen dort ihre Kämpfe aus.“ Ein nicht unbeträchtliches Risiko, schenkt man den Informationen des Sicherheitsexperten Glauben: „Die deutsche Hooligan-Szene wird anlässlich der EM sicher mobil machen. Und laut offiziellen Zahlen gibt es in Deutschland immerhin 10.500 Risikofans. Wie viele davon wirklich planen, nach Österreich zu reisen, werden uns die deutschen Kollegen zeitgerecht mitteilen.“ Die Zahl der österreichischen Problemfans schätzt Winkelmann auf rund 1400. Besondere Gefahr gehe insbesondere auch von der Hooligan-Szene des ehemaligen Ostblocks aus: „Es gibt vor allem in Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei eine große Zahl gewaltbereiter Fans. Die gehen in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch unter, weil es immer nur um die Engländer, die Niederländer und die Deutschen geht.“ Präventiv einwirken könne man auf die Hooigans - im Gegensatz zu normalen Fans - übrigens sowieso nicht: „Die sind nur an Gewalt interessiert.“